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Quote oder nicht? Innovation und Frauenförderung gelingt besser systematisch - Fachkommission Köln diskutiert mit Experten bei „Innovation mit Frauen - wie Unternehmen spürbar profitieren“

Köln, 17.07.2017. "Jetzt ist die Frauenquote da und wir müssen mit ihr leben. Schön wäre es aber, wenn wir bald wieder auf sie verzichten könnten, die Frauen mit Potenzial für Führungsaufgaben hätten es jedenfalls verdient“, erklärte Eldach-Christian Herfeldt, Sprecher der Sektion Köln und Mitglied im NRW-Landesvorstand des Wirtschaftsrats letzten Freitag vor rund 50 geladenen Gästen in der Kölner Quirin Privatbank.

Köln, 17.07.2017. "Jetzt ist die Frauenquote da und wir müssen mit ihr leben. Schön wäre es aber, wenn wir bald wieder auf sie verzichten könnten, die Frauen mit Potenzial für Führungsaufgaben hätten es jedenfalls verdient“, erklärte Eldach-Christian Herfeldt, Sprecher der Sektion Köln und Mitglied im NRW-Landesvorstand des Wirtschaftsrats letzten Freitag vor rund 50 geladenen Gästen in der Kölner Quirin Privatbank. 

Zum ersten Mal hatte die Vorsitzende der 20-köpfigen Fachkommission „Wirtschaft für Köln“ im Wirtschaftsrat, Anné Schwarzkopf, eine Mittagsrunde initiiert, die sich explizit mit Frauen als Innovationsfaktor für Unternehmen befasst. Unter dem Titel „Innovation mit Frauen - wie Unternehmen spürbar profitieren“, diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Banken, Beratungen und Produktion darüber, wie Unternehmen mit systematisch messbarer Förderung von Frauen zukunftsfähig bleiben und vor allem weiter selbst in ihrem Unternehmen die Personalpolitik bestimmen. Denn aktuell sehen Bundesfamilienministerin Barley und Justizminister Maas Handlungsbedarf für eine nächste Quoteneinführung auf Vorstandsebene und den zwei Ebenen der Führungskräfte darunter.

Hintergrund war, dass nach Einführung der Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten 2015 die Mehrzahl der deutschen Unternehmen entgegen ihrer freiwilligen Absichtserklärung, Frauen in Führungspositionen zu fördern, keine Meldung an die Bundesregierung abgegeben haben. Dies betrifft rund 70 Prozent der 104 börsennotierten Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern und weitere 3500 Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Wenn diese Quote käme, wäre das nach Ansicht der Vorsitzenden ein tiefer Einschnitt in die unternehmerische Selbstbestimmung.

Dass es auch anders geht, zeigt der Technologiekonzern Freudenberg in seiner Geschäftsgruppe Home and Cleaning Solutions, bekannt durch die Marke “Vileda”, mit Sitz in Weinheim. Das Unternehmen hat ein neues Instrument in der Personalentwickelung eingeführt: den Frauen-Karriere-Index (FKi). Oliver Rudolf, Vice President Global Human Resources wollte messen, wie gut sein Unternehmen in der Frauenförderung aufgestellt ist. „Wir haben festgestellt“, so Oliver Rudolf, „dass wir besser als angenommen sind, allerdings besteht im Rahmen unserer Diversity-Strategie bei Frauen in den oberen Führungspositionen unser größter Nachholbedarf. Zwar sind bereits 17 Prozent unserer oberen Führungskräfte weltweit Frauen, um unsere Innovationsfähigkeit aber global weiter leistungsstark zu halten, wollen wir in den nächsten Jahren diese Quote auf 25 Prozent steigern.“ Rudolf empfiehlt den Einsatz des Index auch deshalb, weil er die Arbeitgeber-Attraktivität und Kultur insgesamt beleuchte. So könnten Schwächen aufgedeckt und Lösungen gezielt gesucht werden.

Die Erfinderin des „Frauen-Karriere-Index“ (FKi), Barbara Lutz, weiß aus internationaler Erfahrung mit Konzernen und Mittelstandsunternehmen, dass nur eine belastbare Messmethode einen Veränderungseffekt in den Unternehmen bewirken kann. Strukturen müssen sich verändern, vor allem in der mittleren Führungsebene. Mithilfe des Index wird eine Ist-Analyse durchgeführt. Mit den Ergebnissen wird dann eine Potentialbewertung erstellt, um ein realistisches Ziel für das Unternehmen zu benennen. Anschließend werden die Maßnahmen definiert. Den FKi können Unternehmen ab 50 Mitarbeitern wirkungsvoll einsetzen.

Bei aller Förderung müssten Frauen auch selbst den Schritt wagen und artikulieren, dass sie eine Führungskarriere anstreben. Dr. Anne de Boer, Co-Vorsitzende des Frauennetzwerks im Landesverband Baden-Württemberg, dem ersten in Deutschland überhaupt: „Frauen müssen manchmal geschubst werden, um mehr Verantwortung zu übernehmen und sich mehr zuzutrauen“. Die Partnerin der Wirtschaftskanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek in Stuttgart und Mitglied im Landesvorstand Baden-Württemberg sieht die Frauenquote nicht als die absolute Lösung. Sie sieht allerdings doch auch, dass es ohne Druck nicht geht. Die Quote bewirkt, dass sich überhaupt etwas tut. Baden-Württemberg stehe in Sachen Frauen gar nicht so schlecht da, so de Boer, denn die Betreuungsstrukturen wurden enorm ausgebaut und in Familienunternehmen gehören Kinder selbstverständlich zum Leben dazu. „Es müssten einfach viel mehr Vorbilder gezeigt werden, dass es funktionieren kann.“, so de Boer. Den Ansatz zur Besserung sieht sie aber nicht nur im besseren Selbstmarketing der Frauen, sondern erheblich früher. Bereits in den Schulen müssten Schülerinnen stärker für Technik, MINT-Berufe und Entscheidungen in der Wirtschaft interessiert werden.

Das bestätigt Silke Freudenberg, Eventberaterin und Botschafterin für Existenzgründung und Unternehmertum. Schon Schülern und Studenten müsse gezeigt werden, dass die Selbständigkeit eine gute Alternative zum Angestellten-Dasein ist und der eigene Erfolg dabei Spaß macht. Als Gründungsbotschafterin des Saarländischen Wirtschaftsministeriums ist es ihr ein besonderes Anliegen, Frauen als Gründerinnen und Unternehmerinnen zu motivieren. Sie kennt viele Ängste und Fragen, die Frauen bewegen. Oft zögern sie bei der eigenen Kompetenz, bei ihrem Mut und sind sicherheitsorientierter als Männer. Dabei müssen Frauen auch Mut zum Risiko haben, damit der Sprung in die Selbstständigkeit gelingt.

Mut zum Risiko hatte auch die Niederlassungsleiterin der Quirin Privatbank in Köln, Martina Patzek. „Ich bin zu meinem Chef gegangen und habe gesagt, ich will Führung machen. Nach und nach habe ich dann immer mehr Verantwortung bekommen“. Ihr Erfolg zeigt, wie wichtig Selbstmarketing und Mut sind. 

„Unternehmen brauchen Vielschichtigkeit, um innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben. Es gibt bereits Erfolg in der Frauenförderung, dennoch bestehen Hemmnisse, die aus dem Weg geschafft werden müssen. Gute Ansätze sind da, da waren sich alle Diskutanten einig, “ stellt Anné Schwarzkopf fest. „Die Unternehmen müssen Erneuerungen schaffen und sich den Herausforderungen stellen, damit sie für alle Mitarbeiter interessant bleiben. 70 Jahre Erfolgsmodell soziale Marktwirtschaft muss einfach attraktiv bleiben und das geht nur, wenn viele mitmachen“, so Anné Schwarzkopf weiter.

v.l.n.r.: Silke Freudenberg (Eventberaterin und Botschafterin für Existenzgründung und Unternehmertum), Anné Schwarzkopf (Vorstand Fachkommission Wirtschaft für Köln), Dr. Anne de Boer (Co-Vorsitzende des Frauennetzwerks im Landesverband Baden-Württemberg), Martina Patzek (Niederlassungsleiterin Quirin Privatbank Köln), Barbara Lutz (Expertin für Business Excellence und Erfinderin des Frauen-Karriere-Index), o.l.: Eldach-Christian Herfeldt (Vorstandssprecher Sektion WR Köln, Bundesvorstand), o.r.: Oliver Rudolf (Vice President Global Human Resources der Freudenberg Gruppe)